Wenn das Jahr seinen tiefsten Punkt erreicht, wenn die Nacht am längsten ist und selbst der Morgen nur zögerlich erwacht – dann ist sie da: die Wintersonnwende. Der kürzeste Tag des Jahres, der Moment des tiefsten Dunkels. Und zugleich: der erste Schritt zurück in die Helligkeit.
Für viele ist es nur ein Datum. Für andere eine stille Erinnerung daran, dass alles zyklisch ist – auch wir Menschen. Dass jedes Leben in der Dunkelheit geboren wird. Dass Rückzug nicht Rückschritt ist, sondern Vorbereitung auf Wachstum und das neue Leben.
In der schamanischen Sichtweise ist die Wintersonnwende ein machtvoller Wendepunkt – nicht nur im Außen, sondern auch in deinem Inneren. Es ist die Zeit, Altes bewusst zu würdigen und loszulassen, damit Neues entstehen kann. Transformation beginnt hier mit dem Mut, hinzusehen. Mit dem Anerkennen deiner eigenen Zyklen. Mit dem Erinnern daran, dass du Teil eines großen Netzes bist – verbunden mit allem, was lebt. Und dass jede Wandlung zuerst in dir selbst beginnt.
Vielleicht hast du dieses Jahr den Wunsch, diesen Moment bewusster zu gestalten. Mit einfachen Ritualen. Mit alten Impulsen. Mit deinem eigenen Herzen als Kompass.
Ich lade dich ein zu fünf kraftvollen Wegen durch diese Schwellenzeit – und zu einer Vielzahl liebevoller Möglichkeiten, wie du die Wintersonnwende feiern kannst. Nimm dir, was dich anspricht – es geht nicht um Quantität sondern um Qualität. Folge deiner Intuition. Sie ist die Stimme der Erde in dir.
1. In der Dunkelheit verweilen – ohne sie zu bekämpfen
In einer Welt, die ständig leuchtet, wirkt das Dunkle verdächtig. Als wäre es etwas, das man vertreiben müsste. Doch was sich dem Licht entzieht, ist kein Feind – es ist ein Raum. Ein Schutz. Eine Einladung.
Die Wintersonnwende ist der ideale Moment, um diesem Teil des Jahres – und auch dir selbst wahrhaftig – zu begegnen. Ohne Angst dafür mit Offenheit und Mut.
Einladung:
- Mach es dir am Abend ganz bewusst richtig dunkel. Lass alles aus: keine Musik, kein Handy, keine Lampe. Setz dich an dein Fenster oder geh, wenn du dich sicher fühlst, hinaus in die Nacht. Sei einfach da – mit allem, was gerade ist.
- Lausche in dich hinein. Was zeigt sich, wenn nichts dich ablenkt? Welche Gedanken steigen auf? Welche Gefühle klopfen an, wenn der äußere Lärm verstummt? Du musst nichts analysieren, nichts sofort beantworten – nur spüren, was da ist. Du kannst dir später Notizen machen
- Wen Tränen fließen ist es ok, ebenso wenn nur eine stille Ruhe nach einem fordernden Tag einkehrt. Es muss nicht immer etwas passieren – und doch geschieht so viel. Die Dunkelheit hält dich. Sie verlangt nichts. Sie ist einfach da – wie du.
2. Dem inneren Leuchten Raum geben
Licht muss nicht grell sein. Es zeigt sich oft leise – als Ahnung, als erster heller Punkt in tiefschwarzer Nacht, vage, zart und fast unsichtbar. Und doch ist es da.
Und genauso darf auch dein inneres Strahlen sich zeigen – ganz ohne Druck.
Einladung:
- Zünde am Abend eine Kerze an – mit einer klaren Absicht: Du begrüßt das Licht. Sprich dabei laut oder leise einen Gedanken, der aus deinem Herzen kommt.
- Halte deine Hände sanft in die Nähe der Flamme, als wolltest du dich an sie erinnern. Spüre die Wärme, die dich durchströmt. Sie ist kein bloßer Schein, sondern die Erinnerung an dein inneres Feuer – an das, was in dir brennt, auch wenn es im Alltag manchmal vergessen wird.
- Sprich einen Satz, der dich stärkt – bspw.: „Ich bin Licht und Strahlkraft. Ich darf strahlen. Unperfekt, aber echt, leise, aber wahr.“ Du kannst diese Worte auch verändern, bis sie sich für dich stimmig anfühlen.
3. Natur als Spiegel deiner Seele
Der Winter ist radikal ehrlich. Er zeigt uns, was bleibt, wenn alles Überflüssige fällt – wenn die Blätter sich zurückziehen, der Boden hart und undurchdringbar wird, der Himmel uns mit seiner klaren Weite konfrontiert.
Und genau deshalb ist diese Zeit so heilsam. Denn auch wir stehen manchmal da, nackt, verletzlich, ohne Maske – und gerade dann können wir uns selbst am tiefsten begegnen.
Einladung:
- Geh in die Natur – allein. Lass das Außen zur Ruhe kommen, damit du das Innen wieder hören kannst. Nimm dir Zeit, langsam zu werden, dich mit jedem Schritt tiefer mit dem Moment zu verbinden.
- Lege deine Hand auf einen Baum oder auf die Erde und spüre, was in dir genauso still ist, genauso klar, genauso gegenwärtig. Vielleicht ist da etwas, das schon lange auf dich wartet – ein Gedanke, ein Gefühl, eine Wahrheit, die im Alltag oft untergeht.
- Frage dich: Was darf jetzt ruhen? Was ist nur Laut im Außen, und was hat wirklich Bedeutung? Wo hast du dich selbst überdeckt – und was ist dein wahrer, klarer Wesenskern?
4. Das Feuer der Wandlung entfachen
Feuer ist gnadenlos ehrlich. Es zögert nicht, sondern nimmt, was du ihm gibst – um es in etwas Neues zu wandeln. Kein sanftes Wegstreicheln, sondern Klarheit. Wenn du spürst, dass etwas gehen darf, dann nimm dir diesen Moment. Mach keinen Kompromiss, keine halben Sachen sondern leite die Transformation mit Bewusstsein ein.
Einladung:
- Sammle kleine Naturmaterialien, ein paar trockene Zweige, Zapfen oder Äste. Halte sie in der Hand. Erzähle ihnen leise, was du loslassen willst. Ein Gedanke, der dich immer wieder blockiert. Ein Gefühl, das nicht mehr zu dir passt. Eine Geschichte, die du nicht länger erzählen möchtest.
- Gib diese Dinge dem Feuer sprich dazu eigene Dankesworte.
- Und dann bleib noch einen Moment und lausche und spüre die leise Erleichterung des Loslassen. Es kann auch sein, das es still in dir wird – oder weit. Du brauchst nichts verstehen, nur da sein. Das genügt.
5. Verbinde dich mit den Hütern der Schwelle
Die Wintersonnwende öffnet ein Tor. Zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen den Welten. Die Schleier werden dünner. Zeichen treten klarer hervor, Träume werden tiefer, Begegnungen spürbarer. Jetzt ist die Zeit, Kontakt aufzunehmen – mit dem, was dich durchs Leben begleitet.
Nicht alles, was dich hält, ist sichtbar. Es gibt Kräfte, die bewahren, lenken, hüten – auch dein Zuhause. Bestimmt hast du sie schon gespürt: in einem Raum, der sich anders anfühlt. In einer plötzlichen Klarheit. In einem inneren Wissen, dass du geführt wirst.
Einladung:
- Nimm dir einen ruhigen Moment. Setz dich an deinen Altar oder einen Platz, an dem du dich geborgen fühlst. Bitte deine geistigen Begleiter – Ahnen, Krafttiere, Naturwesen – um ein Zeichen oder eine Botschaft.
- Ziehe eine Karte. Achte auf Bilder, Worte, Klänge, Tiere, Symbole oder Gefühle die sich zeigen.
- Schreib alles auf, was sich zeigt – egal, ob Bild oder Wort, Windstoß oder Wärme. Es ist real, wenn du es fühlst. Und es kann dein Begleiter für die kommenden Rauhnächte sein.
- Tipp: Wenn du magst, rufe auch den Hüter deines Hauses. Jede Wohnung, jedes Haus hat eine eigene Präsenz, eine Seele. Bedanke dich. Frage, was du tun kannst, um diese Verbindung zu stärken.
Die Wintersonnwende feiern – ganz praktisch
Neben den inneren Wegen gibt es viele liebevolle Möglichkeiten, diesen Tag auch im Außen zu ehren. Hier findest du eine Sammlung von Ideen, die du ganz nach deinem Gefühl auswählen und umsetzen kannst:
1. Nimm dir Auszeiten.
Zieh dich immer wieder bewusst zurück. Geh offline. Sag Nein. Lass die Welt draußen weiterdrehen und erlaube dir, einfach zu SEIN.
2. Selbstgemachte Geschenke.
Nutze deine Energie kreativ. Stell kleine Dinge her – Plätzchen, Salben, Räucherbündel, Karten. Liebevolle Gaben, die von Herzen kommen und wirklich Freude bereiten.
3. Gehe in die Natur.
Lass Wind, Erde, Wasser und Feuer auf dich wirken. Unternimm einen kleinen (Nacht)Spaziergang mit Fokus auf die Elemente.
4. Zeichen der Natur wahrnehmen.
Sieh dich um: Welche Tiere zeigen sich? Welche Pflanzen? Welche Formen im Eis oder in den Wolken? Alles sind Zeichen und Symbol, wenn du bereit bist, sie zu empfangen.
5. Achtsamkeit und Atemübungen.
Direkt morgens im Bett: Atme bewusst. Fühle deinen Körper. Starte zentriert in den Tag.
6. Einen Baum ehren – draußen, nicht drinnen
Ein geschmückter Baum im Wohnzimmer ist keine alte Tradition – doch das Schmücken in der Natur ist es. Schon unsere Ahnen ehrten die Bäume draußen: als lebendige Wesen, als Teil der großen Gemeinschaft allen Lebens. Lass einen Baum im Wald stehen – lebendig, verwurzelt, unversehrt. Schmücke ihn mit Äpfeln, Nüssen, Meisenknödeln. Nicht für dich, sondern für die Tiere. Für das Leben selbst. Als Zeichen der Dankbarkeit und Verbindung.
7. Gaben an Mutter Erde.
Stell kleine Speisen raus. Brot, Bier, Honig, Met, Schnaps… Sie sind keine Opfergaben – sondern Zeichen der Verbindung und des Dankes. Auch Naturwesen spüren diese Geste.
8. Frau Holle ehren.
Stelle ihr süßes Gebäck und Milch unter den Holunder. Sie ist die starke Begleiterin dieser Tage und steht für Wandel, Gerechtigkeit, Weisheit. Deine Aufmerksamkeit nährt diese Kräfte.
9. Rauhnächte-Kerze gießen.
Nutze Kräuter wie Beifuß, Wacholder, Lavendel. Gib ätherische Öle dazu, passende Heilsteine. Bemale das Kerzenglas mit Symbolen, Runen… Oder ritze diese direkt in die Kerze. Deine Intention ist wichtig.
10. 13 Wünsche aufschreiben.
Für jede Rauhnacht einen. Falt sie zusammen, verbrenn sie nach und nach – ohne zu wissen, welcher Wunsch welcher ist.
11. Haus räuchern.
Öffne Fenster und Türen. Nutze Beifuß, Wacholder, Salbei. Gehe gegen den Uhrzeigersinn durchs Haus. Danke den alten Energien – und lade das Neue ein.
12. Altar für die Rauhnächte.
Richte eine Ecke mit Kerze, Kristall, Symbolen, Wunschzetteln, Kartendeck ein. Ein Raum für deine Verbindung mit dem Jahresübergang.
Die Wintersonnwende – dein persönlicher Weg
Du hast viele Wege kennengelernt. Manche still, manche sichtbar. Vielleicht nimmst du nur einen mit. Vielleicht viele. Doch egal wie – wenn du dich selbst wieder spürst, hast du den wichtigsten Schritt bereits getan.
Die Wintersonnwende ist keine Pflichtveranstaltung. Sie ist ein Geschenk. Ein Moment der Einkehr. Eine Einladung, dich selbst wieder wahrzunehmen – als Teil der Natur, der Zyklen, des großen Werdens.
Und wenn du tiefer eintauchen möchtest: In meinem Onlinekurs „Pause im Rauch“ begleite ich dich mit Ritualen, Pflanzenwissen und geerdeter Magie durch die Wintersonnwende und die Rauhnächte.
Denn das Licht kehrt immer zurück. Auch in dir – immer wieder.
Lass dich berühren. Inspirieren. Und vielleicht – erinnern💚, deine Ina


