Zuletzt aktualisiert am von Ina Allard
Zu Samhain sagt man, lichten sich die Schleier. Es fällt uns leichter, in Kontakt mit der Anderswelt, mit anderen Ebenen und Dimensionen, den Verstorbenen und feinstofflichen Wesen in Kontakt zu treten. Für mich stehen hier auch sinnbildlich die Herbstnebel. Zeigen sie uns doch so schön, dass man manchmal, auch übertragen, die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Und dann auf einmal, von jetzt auf gleich, die Sicht wieder glasklar ist.
Auch unsere Ahnen stellen wir uns ja oft in der Anderswelt vor. Für die einen ist es der Himmel, für die anderen ein Ort irgendwo, wo alles in Frieden ist, oder auch, dass sie nach wie vor bei uns sind, ihre Energie einfach noch da ist.
Das Fest feiern wir entweder in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November oder zum 11. Neumond nach Yule. Bei uns ist Samhain eher als Halloween bekannt.
Samhain und Halloween – wo liegt der Unterschied?
Viele Menschen setzen Samhain und Halloween gleich oder glauben, es handle sich um dasselbe Fest. Tatsächlich besteht zwischen beiden eine historische Verbindung – dennoch unterscheiden sich ihre Bedeutung, ihr Ursprung und ihre heutige Art der Feier deutlich.
Samhain ist ein sehr altes keltisches Jahreskreisfest, das bereits vor über 2000 Jahren in Irland, Schottland und Teilen Britanniens gefeiert wurde. Für die Kelten markierte Samhain den Beginn des neuen Jahres und den Übergang von der hellen zur dunklen Jahreszeit. Es war eine Zeit der Besinnung, der Ahnenverehrung und der spirituellen Rituale.
Im Mittelpunkt standen Themen wie:
- der Zyklus von Leben, Tod und Wiedergeburt
- die Verbindung zur Ahnenwelt
- das Loslassen des Vergangenen
- der Übergang in eine neue Phase des Lebens
In vielen Überlieferungen heißt es, dass in der Nacht von Samhain der Schleier zwischen den Welten besonders dünn sei. Dadurch sollte der Kontakt zu den Ahnen und zur spirituellen Welt leichter möglich sein. Rituale, Kerzen und Feuer hatten daher eine wichtige symbolische Bedeutung.
Halloween hingegen entwickelte sich erst deutlich später aus mehreren kulturellen Einflüssen. Neben dem keltischen Samhain spielte vor allem der christliche Feiertag All Hallows’ Eve – der Abend vor Allerheiligen – eine Rolle. Als irische Auswanderer im 19. Jahrhundert nach Nordamerika kamen, nahmen sie ihre Bräuche mit. Dort vermischten sie sich mit anderen Traditionen und entwickelten sich im Laufe der Zeit zu dem Halloween, das wir heute kennen.
Im modernen Kontext ist Halloween vor allem ein kulturelles und kommerzielles Fest, das stark von Popkultur, Medien und Konsum geprägt ist. Typische Elemente sind:
- Verkleidungen und Kostümpartys
- geschnitzte Kürbisse (Jack-o’-Lanterns)
- „Süßes oder Saures“ bei Kindern
- Horror-Dekorationen und Gruselthemen
Während Halloween also hauptsächlich ein unterhaltsames Volksfest geworden ist, wird Samhain in spirituellen oder naturreligiösen Traditionen weiterhin als bedeutungsvolles Ritualfest im Jahreskreis gefeiert.
Trotz dieser Unterschiede haben beide Feste denselben historischen Ursprung: die alten keltischen Traditionen rund um Samhain. Halloween kann daher als eine moderne kulturelle Weiterentwicklung betrachtet werden, während Samhain seine ursprüngliche spirituelle Bedeutung bewahrt hat.
| Samhain | Halloween |
|---|---|
| Altes keltisches Jahreskreisfest | Modernes Volks- und Kulturfest |
| Spirituelle Bedeutung und Ritualcharakter | Unterhaltungs- und Spaßfaktor im Vordergrund |
| Fokus auf Ahnen, Spiritualität und Übergänge | Fokus auf Kostüme, Dekoration und Süßigkeiten |
| Teil der heidnischen bzw. naturspirituellen Tradition | Stark von Popkultur und Kommerz geprägt |
| Rituale, Meditation und Ahnenarbeit | Kostümpartys, „Süßes oder Saures“, Horror-Themen |
| Symbolisiert den Beginn der dunklen Jahreszeit | Gesellschaftliches Fest ohne ursprüngliche spirituelle Bedeutung |
Warum Samhain als Zeit „zwischen den Welten“ gilt
In vielen keltischen Überlieferungen wird Samhain als eine besondere Schwellenzeit beschrieben. Man glaubte, dass in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Ahnen besonders dünn sei. Dadurch sollte es leichter möglich sein, mit der spirituellen Ebene in Kontakt zu treten.
Für die Menschen der keltischen Kulturen war diese Vorstellung eng mit dem natürlichen Zyklus der Jahreszeiten verbunden. Während der Sommer für Wachstum, Licht und Aktivität stand, symbolisierte die dunkle Jahreszeit Rückzug, Transformation und das Erinnern an die Vorfahren.
Aus diesem Grund spielten Ahnenrituale eine wichtige Rolle im Samhain-Fest. Familien stellten Kerzen auf, bereiteten Speisen für ihre verstorbenen Angehörigen vor oder gedachten ihrer Ahnen in stillen Ritualen. Diese Traditionen sollten Respekt und Dankbarkeit gegenüber den vorherigen Generationen ausdrücken.
Auch heute empfinden viele Menschen Samhain als eine Zeit der spirituellen Verbindung und inneren Einkehr. Meditation, Rituale oder das bewusste Erinnern an geliebte Verstorbene sind Wege, diese besondere Energie des Übergangs zu würdigen.
Samhain als keltisches Neujahr
In der keltischen Tradition begann das neue Jahr nicht im Frühling, sondern mit der dunklen Jahreszeit. Samhain markierte daher den Beginn eines neuen Jahreszyklus und wurde oft als keltisches Neujahr betrachtet.
Der Grund dafür liegt im landwirtschaftlichen Leben der damaligen Zeit. Mit Samhain war die Ernte abgeschlossen, die Felder waren bestellt und das Vieh wurde von den Sommerweiden zurück in die Ställe gebracht. Die Gemeinschaft bereitete sich auf den Winter vor – eine Phase des Rückzugs und der Ruhe.
Dieser Übergang hatte auch eine symbolische Bedeutung. Während der Sommer für Aktivität und Wachstum stand, galt der Winter als Zeit der Reflexion und inneren Entwicklung. Das neue Jahr begann also nicht mit äußerer Aktivität, sondern mit einer Phase der Stille und Besinnung.
Wir können diese Zeit auch wunderbar nutzen, um uns mit unseren eigenen Schatten und „inneren Geistern unserer Zeit“ auseinander zu setzen.
Gerade diese Perspektive macht Samhain auch heute für viele Menschen besonders interessant. Das Fest erinnert daran, dass jeder Neubeginn zunächst eine Phase des Loslassens und der inneren Klärung braucht.
Die Symbolik von Samhain
Samhain ist reich an Symbolen, die den Übergang zwischen den Jahreszeiten und die Verbindung zur spirituellen Welt darstellen. Viele dieser Symbole haben ihren Ursprung in der Natur und spiegeln den Wandel des Lebens wider.
Ein zentrales Element ist das Feuer. In vielen alten Traditionen wurden zu Samhain große Feuer entzündet. Sie symbolisierten Schutz, Reinigung und Transformation. Das Feuer sollte negative Energien vertreiben und gleichzeitig Licht in die dunkle Jahreszeit bringen.
Auch Kerzen spielen eine wichtige Rolle. Sie werden oft als Zeichen der Erinnerung an die Ahnen entzündet und sollen den Seelen der Verstorbenen den Weg weisen.
Weitere typische Symbole sind:
- Äpfel – sie gelten in der keltischen Mythologie als Symbol für die Anderswelt und spirituelle Weisheit
- Kürbisse und Herbstfrüchte – sie stehen für die abgeschlossene Ernte und den Übergang in den Winter
- Blätter und Herbstfarben – sie erinnern an den natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen
Diese Symbole machen Samhain zu einem Fest, das stark mit den Rhythmen der Natur und den Zyklen des Lebens verbunden ist. Es erinnert daran, dass jedes Ende gleichzeitig den Beginn eines neuen Abschnitts in sich trägt.
Sich verabschieden
Zu Samhain, oder auch Allerheiligen und Allerseelen, gedenken wir der Verstorbenen. Meist den direkten Angehörigen oder auch den Kriegsopfern, Märtyrern. Du kannst dich in dieser magischen Nacht mit deinen Verstorbenen, egal ob Menschen oder Tiere, verbinden.
Nutze die Zeitqualität um:
- evtl. noch offene/unausgesprochene Dinge zu klären,
- dich zu verabschieden,
- ihnen Botschaften zu überbringen oder zu empfangen
- oder sei einfach nochmal mit den Verstorbenen zusammen – auf energetischer Ebene.
Samhain Bedeutung: Verbindung zu den Verstorbenen aufbauen
Du kannst dafür in eine meditative Stimmung gehen, raus in die Natur, schamanisch reisen usw. Oder du setzt dich vor eine Kerze ins dunkle Zimmer und bittest die Verstorbenen zu dir. Keine Angst vor bösen Geistern… Wenn du gezielt Menschen oder Tiere zu dir bittest, kann dir nichts geschehen. Vielleicht hast du auch einen Ahnen-Altar, was das ist, habe ich in diesem Samhain Beitrag beschrieben.
Du kannst auch einen Brief schreiben und diesen verbrennen, oder klein reißen und dem Wind übergeben, ihn im Wald der Mutter Erde übergeben. Je nach dem, was sich für dich stimmig anfühlt.
Vielleicht möchtest du ein Gedicht schreiben oder ein kurzes Lied singen? Sie werden sich darüber freuen. Lade sie ein, neben dir zu sitzen und dann beginne.

Die Ahnen einladen – ihnen danken
Den Brauch, den Verstorbenen zu Samhain das Wohnzimmer und gutes Essen zu überlassen, kennst du bestimmt schon? Früher zogen sich die Bewohnen früh zum Schlafen zurück, deckten den Tisch in der guten Stube und stellten genug zu Essen und zu Trinken bereit. Den Weg markierten sie mit einer Spur aus Mehl und in den Fenstern und vor der Tür standen Kerzen, damit die Verstorbenen auch nach Hause fanden.
Gleichzeitig wehrten die geweihten Kerzen die bösen Geister, Hexen und Dämonen ab. Wenn du magst, stelle auch entsprechende Gedecke auf und schaffe einen heimeligen Ort für deine Lieben.
Du kannst sie anrufen, indem du mit sogenannten Schwellenkräutern räucherst. Hier bieten sich Holunder, Beifuß, Wacholder, Engelwurz, Fichte, Mistel, Haselnuss an. Wenn du ein meditative Reise unternehmen möchtest, verwende Baldrian, Schafgarbe, Lorbeer und Lavendel.
Eine anderer Methode um in Kontakt zu treten ist es, die Trommel zu schlagen. Finde deinen Rhythmus, es gibt hier keine Vorgabe. Auch eine Rassel kannst du verwenden. Deine Intention, mit den Verstorbenen in Kontakt zu treten, ist wichtig dabei. Lasse dich intuitiv leiten.
Rituale zum Jahreskreisfest Samhain
Entfache ein Feuer im Freien oder eine Kerze in Räumen und veranstalte zu Samhain ein Fest den Verstorbenen zu Ehren. Es ist nicht nötig, immer nur zu trauern (auch wenn das ein wichtiger Prozess ist und du dir natürlich deine Zeit dafür nehmen darfst) wenn es um die Verstorben, das Thema Sterben und Tod geht. Sie möchten, dass wir weiterhin fröhlich sind, feiern, lachen, tanzen. Auch das alles darfst du in dieser magischen Nacht. Ich weiß, die Kirche sieht das etwas anders… Doch erlaube dir doch, dein Leben so zu leben, wie es für dich passt.

Du kannst in dieser Nacht auch orakeln. Mit Runen, Karten oder deinem selbstgemachten Orakelset. Du kannst Wachs oder Blei gießen, eine Glaskugel verwenden, etc. Bitte die Verstorbenen dich zu begleiten, dich zu leiten wenn du magst.
Dies waren ein paar Anregungen für Samhain. Fühle dich frei, alles nachzumachen, das Fest zum Voll- oder Neumond zu feiern, eigene Rituale zu kreieren oder auch einfach nur in die Stille zu gehen. Ich wünsche dir eine magische Nacht.


