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Ein schamanischer Blick auf Festhalten, Loslassen und die Frage, warum Heilung wertvoller ist als Gesundheit und welche Rolle Mutter Erde beim Heilen mit der Kraft der Natur spielt.
Was ein kahler Hang mich über Heilung lehrte
Es gibt einen Moment, der mir bis heute zeigt, was Heilen mit der Kraft der Natur eigentlich bedeutet, und warum Gesundheit dabei gar nicht das eigentliche Ziel ist.
Vor ungefähr zwei Jahren bin ich an einem Hang vorbeigegangen, der ursprünglich mal mit Fichten und auch Laubbäumen bewachsen war. Doch damals standen dort nur noch Stumpfreihen, Äste lagen auf dem Boden, alles wirkte wie tot. Und im ersten Moment war ich auch traurig, so alte Bäume wurden gefällt bzw. sind einfach abgestorben. Wo ehemals Leben war, war nun diese eigentümliche Stille, die entsteht, wenn etwas stirbt. Nicht die Stille des Waldes selbst, die uns zur Ruhe kommen lässt, sondern eine andere, leerere. Ich blieb stehen und mich mit dem Hüter dieses Flecken Erde verbunden und dabei bekam ich eine wertvolle Botschaft:
Die Erde trauert nicht, sie macht einfach weiter.
Zumindest nicht so, wie wir Menschen. Denn noch nicht mal ein Jahr später war dieser Hang schon wieder grün. Nicht von Menschenhand angelegt oder geplant, sondern ganz einfach und natürlich wuchsen dort Brombeerhecken, junge Birken und Beikräuter. Die Natur ist nicht erstarrt wie wir Menschen, wenn etwas Schlimmes passiert, sie hat nicht gewartet, bis jemand kommt und ihr sagt: hey, es ist alles gut. Sicher tut es Mutter Erde auch weh, wie wir Menschen mit ihrer Schönheit, ihren Gaben und ihrer Liebe umgehen, doch sie steht da drüber, sie macht einfach weiter. Und so hat sie auch hier nicht erst innegehalten um zu trauern — sie hat damit begonnen, etwas Neues zu erschaffen.
Das ist das erste, was mir die Natur immer wieder zeigt, wenn ich wirklich hinschaue: Sie kennt kein Festhalten. Kein Verweilen im Vorher. Kein Hadern mit dem, was war. Sie ist radikal im Hier und Jetzt — nicht als spirituelle Übung, die wir Menschen oft versuchen zu praktizieren, nicht als Disziplin, für die man hart an sich arbeiten muss, sondern weil das ihre einzige, wahre Natur ist. Das ist die erste und vielleicht tiefste Lektion, die uns das Heilen mit der Kraft der Natur geben kann.
Warum die Natur keine Wunden trägt — und was das mit deiner Heilung zu tun hat
Was Wissenschaftler ökologische Resilienz nennen — die Fähigkeit eines Ökosystems, sich nach einer Störung neu zu ordnen, ohne seine Funktion zu verlieren — das klingt nüchtern und trifft doch etwas sehr Tiefes. Nach einem Waldbrand sind es zuerst die Pionierpflanzen, die kommen: robuste, anspruchslose Arten, die nichts brauchen außer freiem Boden, Wasser und Licht. Sie erinnern sich nicht an den Wald, der vorher da stand. Sie definieren sich nicht über das, was verloren ging. Das ist nicht Verdrängung, das ist keine Kälte — das ist einfach, wie Leben funktioniert. Leben fragt nicht: Darf ich jetzt schon anfangen? Es fängt an.
Dieselbe Kraft zeigt sich auf der umgepflügten Wiese nach zwei Wochen. Auf der Weide meines Ponys wurden im Winter vor zwei Jahren Bäume gefällt. Durch den Traktor wurde ein Teil der Wiese komplett vermatscht, da war von Gras nichts mehr zu sehen, auch hier war alles scheinbar tot. Doch mit den ersten Sonnenstrahlen zeigte sich auch hier wieder Grün, Gras, Quecken, Beikräuter.
Die Natur hat kein Langzeitgedächtnis für Verluste. Sie hat nur eines: den nächsten Moment.
Was wir stattdessen tun — und wie es uns erschöpft
Und dann schaue ich auf uns Menschen. Auf das, was wir mit uns rumschleppen, oftmals über viele Jahre oder Jahrzehnte.
Auf die Erschöpfung, die nicht vom vielen Arbeiten, sondern vom Grübeln kommt, von der Leere, die viele von uns in sich tragen.
Auf das Hadern, statt dass wir eine klare Entscheidung treffen — das sich manchmal über Jahre durch ein Leben zieht wie ein Faden, der sich immer weiter verwickelt, statt dass wir ihn einmal richtig entwirren.
Auf den Körper, der uns etwas mitteilen will durch Schlafprobleme, diese bleierne Müdigkeit am Mittag, das Engegefühl in der Brust wenn der nächste Tag beginnt, bevor der alte überhaupt zu Ende ist — und wir trotzdem weitermachen wie bisher, weil wir funktionieren müssen und Pausen sich wie Versagen anfühlen.
Auf die stille Sehnsucht, die sich immer wieder zeigt. Nicht nach etwas Greifbarem, nach etwas Materiellem — sondern vielmehr nach Stille, nach echtem Durchatmen, nach einem Moment in dem wir einfach mal nichts tun und beweisen müssen und uns dadurch mit Allem verbunden fühlen. Doch wir schieben sie schnell wieder weg, weil das sind ja Tagträume, Kinderkram und nichts, was man als erwachsene Frau macht.
Und vielleicht erkennst du dich genau hier wieder.
In diesem ständigen inneren Druck, der nicht verschwindet, egal wie sehr du dich bemühst. In dem Gefühl, festzustecken, obwohl du eigentlich längst weitergehen willst. In der Müdigkeit, die nicht von deinem Alltag kommt, sondern von dem, was du in dir festhältst.
Wie lange trägst du das schon mit dir rum? Wie oft hast du gehofft, dass es sich irgendwann von selbst löst? Wie oft hast du dich angepasst, obwohl sich etwas in dir dagegen gewehrt hat?
Weil wir Menschen etwas tun, was die Erde nie tut: Wir halten fest.
Festhalten als stiller Krafträuber
Und dieses Festhalten bleibt nicht an der Oberfläche. Es wirkt genau dort weiter, wo wir am tiefsten geprägt wurden — in unseren Erfahrungen, in dem, was wir erlebt haben und das bis heute in uns wirkt. Denn wenn sich bestimmte Muster, Gefühle oder Situationen in unserem Leben wiederholen, hat das oft einen Ursprung, der weiter zurückliegt: in dem, an das wir uns erinnern — und woran wir unbewusst festhalten.
Wenn dich das Thema Festhalten und Loslassen aus schamanischer Sicht interessiert, lies gern auch diesen Artikel über Schamanismus in Krisenzeiten.

Die Geschichte, die wir uns erzählen…
Festhalten ist wie dieser Morgennebel, der über dem Wald liegt — er verhüllt, er dämpft, und solange er da ist, siehst du nicht was darunter lebt. Aber er löst sich auf. Nicht weil jemand ihn wegschiebt, sondern weil die Sonne einfach weiter scheint.
Das menschliche Gedächtnis ist ein Überlebensmechanismus. Es erinnert uns an das, was einmal schmerzhaft war, damit wir es nicht wiederholen — das hat uns als Art am Leben erhalten und dafür gesorgt, dass wir uns weiterentwickeln. Aber es hat auch eine Kehrseite, die ich in meiner schamanischen Arbeit immer wieder sehe: Wir halten nicht nur die Erinnerung an etwas fest — wir werden die Erinnerung.
Wir identifizieren uns mit dem, was uns widerfahren ist, und machen es zu einem Teil unserer Geschichte. Zu der Geschichte, die wir uns selbst immer wieder erzählen — ich bin nicht gut genug, ich bin nicht kreativ, ich bin zu laut, zu leise, zu dick, zu dünn, ich habe das Pech gepachtet, ich bin nicht für die Liebe gemacht, ich darf mich nicht wichtig nehmen. Und irgendwann hören wir auf, diese Geschichte zu hinterfragen, weil sie sich so vertraut anfühlt, dass wir sie für die Wahrheit halten. Dass das Leben der anderen einfacher ist. Dass wir keine Wahl hatten und auch jetzt keine haben. Dass es an den Umständen liegt, an der Kindheit, an dem was damals passiert ist — und dass sich das eben nicht mehr ändern lässt.
Doch nicht nur unsere Gedanken formen unsere innere Wahrheit. Auch reale Erfahrungen, die uns tief erschüttern, können sich in uns festschreiben. Das was wir Trauma nennen, ist aus schamanischer Sicht keine Verletzung die ewig bleibt, sondern eine Geschichte, die in der Gegenwart festgehalten wird: im Energiefeld, im Körper, in der Art wie wir uns und die Welt wahrnehmen, in dem was wir uns zutrauen und was nicht.
Das Ereignis selbst ist längst vorbei. Aber solange wir uns mit ihm identifizieren, solange wir uns über es definieren, ist es noch nicht vorbei. Es dauert an, weil wir es andauern lassen. Nicht aus Absicht oder Schwäche, sondern weil uns niemand je gezeigt hat, wie Loslassen anders geht als Verdrängen.
Von verschiedenen heilerisch tätigen Menschen habe ich in letzter Zeit öfter gehört, dass alles, was wir erlebt haben, nach spätestens zehn Jahren körperlich nicht mehr in uns steckt — da sich jede Zelle, jedes Organ im Körper im Laufe des Lebens mehrmals erneuert. Was bleibt, halten wir fest, Kraft unserer Gedanken, Kraft der Geschichte, die wir uns immer wieder erzählen. Ich habe dafür keine wissenschaftlichen Quellen, aber ich finde diesen Gedanken kraftvoll, weil er bedeutet: Das Festhalten ist keine Schwäche. Es ist eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten können sich ändern.
Und das ist der entscheidende Unterschied: Verdrängen schiebt weg. Loslassen erkennt an und wandelt um — so wie die Erde das Holz des abgestorbenen Baumes zu Humus macht. Das Holz verschwindet nicht. Es wird nur anderes. Zu etwas, aus dem Neues wachsen kann.
Ich glaube, wir haben verlernt, oder vielleicht nie wirklich gewusst, wie das geht. Und ich bin überzeugt, die Natur kann es uns wieder zeigen, als eine lebendige Erfahrung, wenn wir uns bewusst darauf einlassen.
Und doch beobachte ich immer wieder, wie wir Menschen einen anderen Weg wählen — nicht zurück in die Gegenwart, sondern noch weiter weg von ihr.
Die Falle der Zukunft — der verborgene Umweg auf jedem Heilungsweg
Wir leben in einer Zeit, in der Manifestation zum spirituellen Allheilmittel erklärt wurde. Visualisiere, was du willst. Schreib auf, was kommen soll. Richte deine Energie auf das Ziel aus. Ich verstehe den Wunsch dahinter, die Sehnsucht nach etwas Steuerbarem in einem Leben, das sich manchmal anfühlt wie ein reißender Strom ohne Ufer.
Aber ich beobachte auch, bzw. habe es selbst erlebt — je mehr wir uns in die Zukunft orientieren, desto weiter entfernen wir uns vom Einzigen, was wirklich da ist: dem Jetzt. Was du ins Morgen schickst, bleibt im Morgen. Du kannst noch so viel visualisieren — wenn du nicht im Jetzt bist, wirst du die Fülle, nach der du dich sehnst, im Jetzt nicht spüren können. Weil du immer schon beim Nächsten bist. Bei der nächsten Stufe. Dem nächsten Ziel. Der nächsten Version von dir, die dann endlich gut genug ist. Und selbst wenn du diese nächste Version von dir erreichst, wird auch sie nicht die letzte sein, denn aus dem Gefühl heraus, nicht genug zu sein, wirst du immer eine weitere finden wollen, solange du nicht in deiner Mitte verwurzelt bist, in diesem Urvertrauen, das sich nicht erarbeiten lässt, sondern nur durch Loslassen und Vertrauen fühlen und erleben lässt.
Ich schreibe das nicht um dir die Hoffnung zu nehmen — sondern weil mir schon viele Frauen begegnet sind, die genau das kennen. Und ich selbst kenne es auch aus früheren Jahren.
Warum jahrelanges An-sich-Arbeiten erschöpft statt heilt
Das ist eine der häufigsten Erschöpfungen, die ich in meiner Arbeit erlebe: Frauen, die jahrelang an sich gearbeitet haben — Kurse, Therapien, Ausbildungen, Retreats — und die sich trotzdem leer fühlen. Nicht weil die Arbeit falsch war. Sondern weil sie immer im Werden waren und nie im Sein. Immer auf dem Weg zu sich selbst, nie wirklich da. Weil da sein bedeutet, JETZT hier zu sein und nicht irgendwann, wenn alles stimmt.
Dasselbe gilt für das Verweilen in der Vergangenheit. Die immer gleichen Gedankenschleifen, das Hadern, das endlose Analysieren von dem, was war und warum es so kam — all das findet im Kopf statt, in der Zeit, aber nicht im Jetzt. Und im Schamanismus wissen wir: Zeit ist nur ein menschliches Konstrukt, die Natur kennt kein Gestern und kein Morgen, nur den Moment in dem sie ist. Doch solange du nicht hier bist, kann nichts Neues zu dir kommen. Heilung kann nicht stattfinden, nicht weil sie nicht verfügbar wäre — sondern weil du nicht DA bist, so dass sie überhaupt die Chance hat, einzutreten.
Und das dauernde Leben in der Zukunft ist auch nicht anders. Während du den morgigen Tag planst, das nächste Gespräch vorbereitest, organisierst, durchspielst… läuft das Leben jetzt gerade an dir vorbei. Die Sonne, die gerade durch dein Fenster fällt. Dein Kind, das irgendetwas sagt und du nickst, aber überhaupt nicht richtig zugehört hast. Das Leben findet nicht irgendwann statt, wenn du fertig geplant hast, es findet immer nur jetzt statt.
Ich erfahre das selbst jedes Mal wieder, wenn ich draußen unterwegs bin. Egal wie aufgewühlt ich vorher war, egal wie viele Gedanken mitgekommen sind auf den Weg, irgendwann passiert das Einfache: Ich vergesse, wo ich mit meinen Gedanken war. Der Duft von Beifuß, wenn ich ihn beim Gehen streife. Das Licht, das durch das Blätterdach fällt und sich kein zweites Mal wiederholt. Eine Libelle auf einem Grashalm, die auf gar nichts wartet sondern einfach nur da ist. Diese Momente ziehen mich aus der Zeit heraus und in den Augenblick hinein, ohne dass ich dafür irgendetwas tun müsste außer da zu sein.
Mit der Kraft der Natur heilen — warum der Weg wertvoller ist als das Ziel
Ich möchte etwas sagen, das vielleicht unbequem ist.
Der Dalai Lama hat das einmal so beschrieben:
Der Mensch opfert seine Gesundheit, um Geld zu verdienen — und dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit zurückzubekommen.
Wir buckeln uns jahrelang krumm, gehen über unsere Grenzen, schlucken Tabletten um die Symptome zu überdecken, statt innezuhalten vertrösten wir unseren Körper auf das Rentenalter, dann wird alles anders, und wundern uns, warum er dennoch streikt, obwohl wir endlich Zeit hätten. Gesundheit als Ziel ist eine Falle, weil sie uns vorgaukelt, dass es einen Punkt gibt, an dem man es geschafft hat — an dem man endlich ankommen und durchatmen darf.
Aber ein Mensch, der wirklich in seinem Leben steht, kommt nie an diesem Punkt an. Und wer ständig versucht, einen Zustand zu halten, verbraucht genau die Energie, die eigentlich für das Leben selbst gedacht wäre.
Heilung ist etwas anderes. Heilung ist Bewegung: manchmal rau und herausfordernd, manchmal so leise, dass man sie erst im Rückblick erkennt. Und genau das macht sie so kostbar.
Die Natur ist hier unsere große Lehrmeisterin, denn sie kennt keinen Stillstand. Sie ist immer in Prozessen: wachsen, vergehen, ruhen, aufbrechen, sich erneuern, sterben, wiedergeboren werden. Das ist keine Krankheit sondern das Pulsieren des Lebens selbst. Und wenn du dich gerade nicht vollständig fühlst, bist du in guter Gesellschaft. Die Erde ist auch nicht vollständig. Sie ist im stetigen Wandel, genau wie du.
Wenn Frauen in der Lebensmitte spüren: Da muss mehr sein
Es gibt in der Lebensmitte einen Moment — manche erleben ihn schleichend, andere wie einen Einschlag — in dem Fragen auftauchen, die vorher irgendwie keine Zeit hatten. Wer bin ich, wenn die Kinder nicht mehr täglich meine Anwesenheit brauchen? Was bleibt von mir, wenn die Beziehung sich verändert, der Job aufgehört hat zu erfüllen, die Eltern krank werden? Was will ich noch, in dieser zweiten Lebenshälfte?
Carl Gustav Jung hat diesen Moment einmal sinngemäß als die „geheime Stunde am Mittag des Lebens“ beschrieben, in der etwas Neues entsteht. Und das Neue erfordert, dass etwas Altes geht. Die Rollen, die du ausgefüllt hast — Tochter, Mutter, Partnerin, Organisatorin, Problemlöserin — sie sind ein Teil von dir, aber sie sind nicht alles. Sie sind Kleider, die du irgendwann angezogen hast, weil sie gepasst haben, weil sie erwartet wurden, vielleicht auch weil du damals noch nicht wusstest, was noch alles in dir steckt. Und irgendwann spürst du, dass da mehr ist. Und dieses Spüren, auch wenn es sich wie eine Krise anfühlt, ist eigentlich etwas anderes: eine Einladung, endlich darunter zu schauen, wer du wahrhaftig bist.
Aber solange keine andere Verankerung da ist als diese Rollen, fühlt sich ihr Wegfallen wie ein freier Fall an. Und dann kommt dieses Gefühl, das sich so schwer benennen lässt, weil es keine klare Form hat. Nicht Trauer, nicht Wut, sondern einfach Leere. Und genau das ist das Schwerste daran.
Wenn das gerade vertraut klingt, dann weißt du vielleicht auch, dass keine Technik und keine Methode dieser Welt dich dorthin bringen kann, wo du hinwillst, solange du nicht weißt, wer da eigentlich ankommen soll. Und genau da beginnt der Weg nach draußen.
Was du brauchst, ist ein Ort, an dem du einfach sein darfst, ohne Agenda, ohne Ergebnis, ohne die stille Erwartung, dabei noch an dir zu arbeiten. Im Wald, am Wasser, auf einer Wiese, Zeit mit deinem Tier oder das Tanzen im Sommerregen — an einem Ort, an dem niemand etwas von dir will.
Denn die Erde fragt dich nicht, was du geleistet hast, sie trägt dich einfach, buchstäblich, mit den Füßen auf dem Boden. Wir sind davon nicht getrennt, auch wenn unser Alltag es uns glauben machen will, von den Zyklen der Erde, vom Wachsen und Vergehen, vom Mond, der zunimmt und abnimmt, von den Jahreszeiten, die keiner Logik folgen, außer der des Lebens selbst. Erinnerst du dich wieder an diese Verbindung, erinnerst du dich auch daran, dass Wandel kein Feind ist, Und dass die Leere, die entsteht, wenn etwas geht, kein Verlust ist, sondern Raum. Fruchtbarer Boden, auf dem etwas Neues wachsen kann. Etwas in dir weiß das bereits und wenn es gerade antwortet beim Lesen dieser Zeilen, dann bist du an einer Schwelle. Und Schwellen sind die lebendigsten Orte, die es gibt.
Lass den Wald für dich sprechen — das Naturecho
Wenn du gerade spürst, dass da etwas in dir antwortet — eine Frage, die sich dreht, ein Thema, das keine Ruhe gibt, etwas das du schon lange mit dir trägst und nicht weißt, wie du es anfassen sollst — dann gibt es eine Möglichkeit, die Natur direkt für dich sprechen zu lassen.
Du schreibst mir dein Thema. Ich gehe damit in den Wald und lasse mich führen von dem, was sich zeigt. Was mir begegnet, was ich spüre, was die Natur antwortet, übersetze ich für dich in eine persönliche Botschaft. Nicht analysiert, nicht gedeutet sondern einfach weitergegeben, so wie es sich zeigt.
Das ist mein Naturecho — deine Seelenbotschaft aus dem Wald.
Das erste Grün
Die Natur will dich nicht heilen. Sie braucht dich auch nicht dafür. Sie ist vollständig, so wie sie ist — im Werden, im Vergehen, im ewigen Jetzt des nächsten Moments. Aber wenn du ihr wirklich begegnest, erinnert sie dich an etwas, das du vielleicht lange nicht mehr gespürt hast: dass auch in dir etwas Vollständiges lebt. Etwas das nicht erst werden muss, sondern das nur wieder erinnert werden will, unter all dem was du trägst, unter den Rollen und Geschichten und dem Lärm des Alltags.
Heilung beginnt genau dort. In dieser Erinnerung.
Du erinnerst dich an den Hang vom Anfang? Dieser Tage bin ich wieder daran vorbeigefahren. Dort ist wieder alles grün und bewachsen, die Hecken und kleinen Bäume sind schon viel größer, Rainfarn, Schafgarbe, Weidenröschen und mehr wachsen und bringen Bunt in das Grün. Und in ein paar Jahren wird da wieder ein Wald stehen, nicht derselbe, ein anderer. Er ist einfach gekommen, weil der Moment da war. So arbeitet die Natur, so heilt sie, mit ihrer bloßen Gegenwart.
Das Grün auf dem kahlen Hang hat nicht gewartet, bis die Bedingungen stimmen. Es ist einfach gewachsen, weil es in der Natur immer weiter geht.
Und weißt du, ich glaube, dieser Moment ist immer da. Auch für dich. Die Frage ist nur, ob du ihn nutzt — oder ob du weiter wartest auf einen besseren Zeitpunkt, der nie kommt.
In Verbundenheit 💚 Ina
Danke, dass du hier bist💚Und wenn dieser Beitrag dir gutgetan hat, schick ihn weiter – vielleicht ist genau heute jemand da draußen dankbar für diese Worte.
Lass dich berühren. Inspirieren. Und vielleicht – erinnern💚
FAQ — Heilen mit der Kraft der Natur
Wie kann die Natur beim Heilen helfen?
Die Natur heilt nicht mit Methoden, sondern mit Präsenz — sie zeigt dir was radikale Gegenwart bedeutet, ohne Festhalten am Gewesenen. Nach einem Waldbrand oder einer Rodung fängt sie einfach wieder an, ohne zu hadern mit dem was war. Genau dieses Prinzip, das Heilen mit der Kraft der Natur ausmacht, können wir uns als Menschen zurückholen: loslassen statt festhalten, Bewegung statt Stillstand.
Warum ist Gesundheit als Ziel eine Falle?
Weil sie vorgaukelt, dass es einen Punkt gibt an dem wir fertig sind und für immer halten können was wir haben — aber ein lebendiger Mensch ist nie fertig, genauso wenig wie die Natur je fertig ist. Heilung ist Bewegung, ist Prozess, und genau das macht sie wertvoller als jedes starre Gesundheitsideal.
Was hat schamanisches Heilen mit Loslassen zu tun?
Aus schamanischer Sicht ist das was wir Trauma nennen keine Verletzung die ewig im Körper bleibt, sondern eine Geschichte die wir in der Gegenwart festhalten. Schamanisches Heilen bedeutet nicht verdrängen, sondern anerkennen und umwandeln. So wie die Erde totes Holz zu Humus macht, aus dem wieder Neues wachsen kann.
Warum sollte ich in der Lebensmitte Zeit in der Natur verbringen?
Wenn Rollen wegfallen — als Mutter, als Partnerin, als die die immer funktioniert — entsteht oft eine Leere, die sich kaum benennen lässt. Die Natur fragt dich nicht was du geleistet hast. Sie trägt dich einfach, mit den Füßen auf dem Boden, und schafft so den Raum den du gerade brauchst um herauszufinden wer du jenseits deiner Rollen bist.


